Historischer Meeting-Rekord beim 53. Nieskyer Mehrkampfmeeting
Niesky - Sportplatz am Gymnasium
Mitreißende Wettkämpfe, neue Meeting-Rekorde und echte Gänsehautmomente: Das 53. Mehrkampfmeeting in Niesky bot am Wochenende alles, was die Leichtathletik so besonders macht. Rund 180 Teilnehmer stellten sich den Herausforderungen des Zehnkampfs und anderer Mehrkampfdisziplinen – bestens vorbereitet durch eine reibungslose Organisation im Vorfeld. Am Ende war das traditionsreiche Meeting nicht nur rundum gelungen, sondern schrieb mit dem Knacken der 7.000-Punkte-Marke auch sportliche Geschichte beim ältesten Jedermann-Zehnkampf Deutschlands.
Das 53. Mehrkampfmeeting und der bereits 30. Damenzehnkampf zeichneten sich durch sehr gut vorbereitete Wettkampfanlagen, hochmotivierte und gut gelaunte Athleten, großartige Leistungen, sehr engagierte Kampfrichter, Helfer und Organisatoren sowie toller Atmosphäre aus.
In das traditionelle Nieskyer Mehrkampfmeeting, welches auch zur DLV-Jedermannzehnkampf-Tour zählt, sind neben dem Jedermann-Zehnkampf seit mehreren Jahren die Offenen Landesmeisterschaften Masters im Zehn- und Siebenkampf, die KM in den großen Mehrkämpfen der Jugend und ein Werfer-Fünfkampf integriert. In diesem Jahr hatten 189 Athleten aus 11 Landesverbänden (Sachsen, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Bayern, Pfalz, Nordrhein, Westfalen, Hessen) und sogar zwei Athletinnen aus Tschechien gemeldet, von denen letztendlich 170 Zehnkämpfer die Strapazen, aber auch die schönen Nebensächlichkeiten des Zweitage-Wettkampfes in Niesky auf sich nahmen.
Viele der weit angereisten Teilnehmer inspizierten bereits am Freitag die verschiedenen Sportstätten, während noch die aufwendigen Vorbereitungen der Wettkampfanlagen auf dem Nieskyer Sportplatz am Gymnasium, den Nebenanlagen an der Oberschule, auf dem Nebenplatz und dem Werferplatz „Rosensportplatz“ stattfanden. Unter anderem musste wie jedes Jahr die große 6-m-Hochsprungmatte mit mindestens zwölf kräftigen Männern vom Sportplatz am Gymnasium zum Sportplatz an der Oberschule transportiert werden, damit eine zweite kleinere Stabhochsprunganlage auf dem Hauptplatz genutzt werden kann. Zudem bezogen die ersten Starter ihre Schlafstätten auf dem Sportplatzgelände.
Der Wettkampf startete am Samstagvormittag unter eher kühlen und noch feuchten Bedingungen. Dennoch ließen sich die Athleten davon nicht beirren. Direkt zu Beginn nahmen die Riegenführer ihre Sportler in Empfang und sorgten für einen reibungslosen Ablauf sowie die nötige Motivation zum Auftakt.
Zusätzlich zum spannenden Zehnkampf gingen auf dem Rosensportplatz auch die Spezialisten in den Wurfdisziplinen an den Start. Mehr als 30 Werfer traten in zwei Riegen im Werferfünf- bzw. Werfervierkampf an und sorgten mit ihren Leistungen für ein weiteres sportliches Highlight des Wochenendes.
Im Jedermann-Zehnkampf musste bereits Ende Juni ein Meldestopp verhängt werden, da die Kapazitätsgrenze bereits eigentlich erreicht war. Lediglich LM-Teilnehmer sollten noch zugelassen werden. Doch auch diese Meldungen sprengten das Kontingent der letzten Jahre. Letztendlich konnten aber fast alle Wartelistenwünsche noch erfüllt werden.
Wer sich für den Zehnkampf entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er seinen Körper in zehn verschiedenen Disziplinen an seine Grenzen treibt. Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und mentale Stärke werden in vollem Umfang gefordert. Doch gerade der Kampf gegen sich selbst und die unerbittliche Anstrengung machen den Reiz dieses Wettkampfes aus. Wem das gelang, der konnte sich am Ende des zweiten Wettkampftages „König der Athleten“ nennen. Bereits zum 30. Mal beendeten auch 79 „Königinnen und Prinzessinnen“ ihren Zehnkampf.
Aufgrund der hohen Meldezahlen befürchtete das ORG-Team, dass der Rahmenzeitplan nicht einzuhalten ist. Doch die sehr disziplinierten Athleten und engagierten Kampfrichter sorgten am ersten Wettkampftag dafür, dass dieser planmäßig beendet wurde. So gestaltete sich auch der zweite Tag, bis, ja bis die Männerriegen ihren Stabhochsprung begannen. Die vielen Starter und starken Stabhoch-Leistungen führten letztendlich dazu, dass die letzte Riege der Männer kurz vor Einbruch der Dämmerung die letzte Disziplin - den 1500m-Lauf - in Angriff nahm.
Zu diesem Zeitpunkt stand bereits die Sensation des Tages fest: Matti Herrmann (M40) von der SG Vorwärts Frankenberg knackte zum ersten Mal die magischen 7.000 Punkte im Zehnkampf und sorgte damit nicht nur für einen neuen Meetingrekord in seiner Altersklasse, sondern für den höchsten Punktwert, der je in Niesky während der letzten mehr als fünfzig Jahre erreicht wurde.
Zu Tränen gerührt nahm Matti Herrmann die LM-Goldmedaille aus den Händen des Repräsentanten des LVS - Jörg Fernbach - entgegen. Langanhaltender Beifall der Anwesenden bescheinigten Matti Herrmann, dass ihm mit seinen erreichten 7.001 Punkten eine großartige Leistung gelungen ist. Bereits am Vortag ahnte und hoffte er, dass bei optimalem Verlauf des zweiten Wettkampftages einiges möglich wäre, um endlich diese 7000er Marke zu knacken. Dass dies ausgerechnet in Niesky auf unserem besonderen Sportplatz mit der 250m-Rundbahn möglich wurde, sind sicher der Tatsache geschuldet, dass er insgesamt sechs Saisonbestleistungen (100m, 400m, 1500m, Kugel, Diskus, Speer) in Niesky aufstellte. Insgesamt drei Meetingrekorde hat Matti Herrmann nun in den verschiedensten Altersklassen inne, doch dieser Rekord wird aller Voraussicht einer für die Ewigkeit sein.
An dem Wettkampfwochenende wurden zudem zwei weitere Meeting-Rekorde aufgestellt. So gelang es Florian Ullrich (M12) vom 1. LAV Torgelow (MV) den Rekord von Jonas Wagner aus dem Jahr 2009 um 18 Punkte auf 4.435 Punkte zu verbessern, nachdem er im vorigen Jahr am AK-Rekord der M11 um 22 Pünktchen scheiterte. Um 85 Punkte schraubte Lucy Teichgräber (W9) von der HSG Turbine Zittau den 17 Jahre alten Rekord von Sophia Finke auf 3.276 Punkte nach oben.
Zeitnah nach der letzten Disziplin fanden die umfangreichen Siegerehrungen statt. Neben der Ehrung der Landes- und Kreismeisterschaften stehen die des Jedermann-Zehnkampfes zusätzlich im Mittelpunkt. Die Sieger der Jedermann-Zehnkampfwertung erhielten das traditionelle Meeting-Handtuch und die Zweit- und Drittplatzierten kleine Präsente. Auch die weiteren Platzierten gehen in Niesky nie leer aus. Jeder Starter erhält eine Urkunde mit den Leistungen der beiden Tage sowie als Finisher ein Shirt des Veranstalters, das durch die Sponsoren Elektro-Müller, Stadtwerke Niesky (SWN), WOBAG Niesky und Werbung-Paul ermöglicht wurde. Besonderheit des diesjährigen Meetings war, dass alle weiblichen Teilnehmer das besondere Finisher-Shirt vom Ingenieurbüro Klupsch erhielten, welche extra anlässlich des 30. Damen-Zehnkampfes mit einem eigenen Layout versehen war.
Die besondere Atmosphäre machte das Meeting einmal mehr einzigartig: In familiärer und angenehmer Ruhe wurden die Wettkämpfe ausgetragen, doch an Motivation fehlte es nicht. Die Athleten wurden von den Zuschauern immer wieder angefeuert, und auch untereinander fieberten sie mit, sodass echte Gemeinschaft und sportlicher Spirit spürbar wurden. Diese Mischung aus Nähe, Fairness und Leidenschaft sorgte wiederholt für unvergessliche Momente auf und neben der Bahn.
Viele neue Athleten hatten, wodurch auch immer, den Weg nach Niesky gefunden. Ob es der rein sportliche Anreiz ist, sich den Herausforderungen eines Jedermann-Zehnkampfes zu stellen oder ob es die angenehmen „Randerscheinungen“ in Niesky sind, die Jahr für Jahr „Wiederholungstäter“ und „Neulinge“ gleichermaßen Anfang September nach Niesky locken, bleibt unerforscht. Die vielen positiven Rückmeldungen bestätigen aber dem Org-Team, dass es das Rund-um-Paket zu sein scheint. Dazu gehört z.B. das Versorgungsteam, das neben der Essensversorgung am Wettkampftag auch das Sportlerfrühstück für zwei Drittel der Teilnehmer zubereitete, da diese die Möglichkeit nutzten, wieder vor Ort in der Turnhalle bzw. auf dem Sportplatzgelände zu übernachten. Auch der traditionelle Athletentreff nach dem ersten Wettkampftag wurde erneut genutzt, um in Erinnerungen zu schwelgen bzw. sich auszutauschen. Das familiäre Feeling ist nicht nur durch die individuelle Betreuung durch die Riegenführer zu erklären, sondern auch dadurch, dass mehrere Generationen (6 bis 79 Jahre) sowie Familienmitglieder in den verschiedensten Altersklassen an den Start gehen.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei allen Kampfrichtern, Riegenführern, Helfern, Sponsoren und Mitorganisatoren bedanken, insbesondere stellvertretend bei unserem Platzwart Hans-Joachim Zech, bei unserem Zeitmess-Chef Rainer Klupsch, bei unserem gesamten Versorgungsteam unter Leitung von Juliane Weiß, bei unserem Schatzmeister Hartmut Leppin, bei unserem Sponsorenbeauftragtem Manfred König, bei unserem Auswertungsteam Mike Engemann und Julia Nitsche , meiner „rechten Hand“ Sebastian Schramm und Allen, die dazu beigetragen haben, dass es ein großartiges 53. Mehrkampfmeeting geworden ist.
Alle drei Protokolle (JMZK, Offene LM, W5K & KM MK) sind dem Bericht beigefügt.
Bericht: Doreen Nitsche
Fotos: R. Klupsch / J. Fiedler / A. & H. Kriebisch / J. Nitsche
Bild zur Meldung: Der Überflieger des Wochenendes - Matti Hermann (SG Vorwärts Frankenberg)



















